…das 4-Häuser-Projekt in Tübingen (seit 2011): Etwa 120 Menschen (und Katzen, Hühner, Kaninchen,…), die selbstverwaltet und selbstbestimmt in fünf Häusern in der Hechinger Strasse 23, 35 (Neubau), 40 und 46 sowie der Autenriethstrasse 15 leben.
Unsere vier Altbauten wurden 1952 als französische Offizierswohnungen gebaut und sind baugleich. Wir wollen prüfen, ob sich auf die Gebäude ein zusätzliches Geschoss in leichter Holzbauweise aufsetzen lässt. Das könnte bis zu 200 m² neuen Wohnraum pro Haus schaffen, ohne zusätzlichen Boden zu versiegeln.
Ganz einfach ist das nicht: Statische Originalunterlagen gibt es nicht mehr, Tübingen liegt in Erdbebenzone 3, und gebaut werden soll, während wir weiter hier wohnen. Deshalb erarbeiten wir in der Studie verschiedene Lösungsvarianten und vergleichen sie miteinander. Wie lassen sich die Lasten am besten in den Bestand ableiten? Welche Holzbaukonstruktion ist leicht genug und zugleich wirtschaftlich? Wie viel Haustechnik braucht es wirklich? Welche Grundrisse mit flexiblen „Jokerzimmern“ und Gemeinschaftsflächen passen zu uns? Im Sinne des Gebäudetyps E prüfen wir außerdem, wo wir von teuren Normen abweichen können, etwa beim Schallschutz, ohne Abstriche bei Sicherheit und Dauerhaftigkeit. Am Ende soll klar sein, welche Variante technisch machbar, genehmigungsfähig und bezahlbar ist.
Die Varianten entwickeln wir mit dem Team, das schon unseren Neubau in der H35 möglich gemacht hat: plus bauplanung (Olaf Hübner), tragwerkeplus aus Reutlingen und regionale Betriebe wie Holzbau Layh.
Als Nächstes führt das Land Gespräche mit den ausgewählten Projekten und legt die genaue Förderhöhe fest. Wir halten Euch auf dem Laufenden!
Lesung und Buchvorstellung: „Kein Gott, kein Staat, kein Mietvertrag? Chronologie der Hausbesetzungen in Tübingen von 1968–2026 mit Historie der daraus entstandenen Wohnprojekte“
Fr. 25.9. 20 Uhr Café Hafenblick, Hechinger Str. 35 (4-Häuser-Projekt)
Mehr als fünfzig Hausbesetzungen gab es seit den späten 1960er-Jahren bis heute in Tübingen. Auch das 4-Häuser-Projekt würde es nicht geben, wenn vor 16 Jahren nicht kreative Besetzungen genutzt worden wären, um die vier Häuser in der Hechinger Straße und Autenriethstraße dauerhaft in bezahlbaren, selbstverwalteten Wohnraum und Gemeineigentum zu überführen.
Die Herausgeber Marc Amann und Elias Raatz stellen mit weiteren Autor*innen das neu erschienene Buch vor und führen durch fast sechs Jahrzehnte Stadtgeschichte von unten: Von den studentischen Protesten der 68er-Zeit über den Häuserkampf der 1970er- und 1980er-Jahre, die Besetzungswelle um 1989 bis 1992 und aktuelle Kämpfe um Wohnraum im 21. Jahrhundert – sowie jene Orte, die aus Besetzungen hervorgingen und Tübingen bis heute mit prägen, wie das Epplehaus, die Münze 13, Lu15, Schelling, die Wagenburgen und eben auch das 4-Häuser-Projekt.
7 Seelen ist eine autobiografische Filmarbeit des Regisseurs zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“: Eine siebenköpfige Familie öffnet sich zu ihren traumatischen Erlebnissen während der zehnjährigen Depression des Vaters. Ungeschminkt und mit einer Prise Humor, zeigt sich jedes Familienmitglied verletzlich vor der Kamera. Gemeinsam konfrontieren sie sich mit aktuellen Konflikten, äußern schmerzhafte Wahrheiten, reisen in die Vergangenheit und versuchen als Familie wieder zueinanderzufinden.
Die Filmvorführung findet in Kooperation mit „Verrückt, na Und?!“ Tübingen, einem Projekt zu mentaler Gesundheit an Schulen statt. Getränke und Eintritt sind Spendenbasis, der (barrierefreie) Zugang zum Gemeinschaftsraum befindet sich hinter dem Haus im Keller des Wohnprojekts.
Vortrag am Mi. Café Hafenblick Hechinger Str. 35 (4-Häuser-Projekt)
Der Kooperativenverbund Cecosesola in Venezuela („Central Coperativa de Servicios Sociales del Estado Lara“, deutsch: „Zentralgenossenschaft sozialer Dienste von Lara“, siehe auch Wikipedia) versorgt hunderttausende Menschen solidarisch mit Lebensmitteln, Gesundheitsversorgung, einem Beerdigungsservice und Sozialversicherungen. Seit fast 60 Jahren besteht dieses organisch wachsende Netzwerk, das sich jenseits von Profitlogik durch Versammlungen und den Aufbau von Vertrauensbeziehungen selbstorganisiert. Auch angesichts ökonomischer Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche erweist es sich als resilient.
2022 erhielt Cecosesola den Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis).
Sigrun Preissing (Tübingen) und Luis Peters (Witzenhausen) aus der Commons-Bewegung werden auf Grundlage ihres mehrwöchigen Besuchs bei Cecosesola berichten. Insbesondere soll es um die Frage krisenresilienter Grundversorgung gehen, und was wir aus diesem Beispiel für unsere Netzwerke und Initiativen in der Region lernen können.
Bewohner:innen aus unserem Neubau haben die Pflege von öffentlichen Grünflächen an der Hechinger Straße vor der Nummer 35 übernommen – und bereiten sie für den Frühling vor!
Mit vielen anderen Organisationen und Einzelpersonen haben wir den offenen Brief „Debanking stoppen“ zur Unterstützung der Roten Hilfe an die GLS Bank unterzeichnet.
Hintergrund ist, dass Ende 2025 der Roten Hilfe e.V. durch die GLS Bank und die Sparkasse Göttingen die Konten gekündigt. Die GLS Bank kündigte außerdem weiteren Organisationen die Konten. Dagegen hat sich ein Netzwerk aus Betroffenen und solidarischen Unterstützer:innen gegründet. Das Ziel: Debanking sichtbar machen, Vernetzung und politische Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Den offenen Brief des Netzwerkes haben rund 10.000 Einzelpersonen und über 400 Organisationen unterschrieben. Darin wurde der Vorstand der GLS aufgefordert, die Konten der gekündigten Organsationen weiterzuführen und in Zusammenarbeit mit betroffenen Organisationen und engagierten Mitgliedern des Netzwerks Lösungen zu erarbeiten, die Kontokündigungen zivilgesellschaftlicher Organisationen in Zukunft zu verhindern.