Das Leben der Anderen. Tübinger Polizei möchte heimlich das Wohnprojekt Schellingstraße videoüberwachen.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie erfahren würden, dass Ihr Haus ohne Ihr Wissen mit einer Kamera überwacht werden sollte? Jedes Kommen undvideoÜberwachung
Gehen gefilmt und erfasst werden sollte? An was würde es Sie erinnern, wenn staatliche Behörden versuchen, Ihre NachbarInnen zu überreden, Überwachungstechnik gegen Sie einzusetzen und Sie zu bespitzeln?

Wahrscheinlich hätten Sie die gleichen Assoziationen wie wir: Man denkt an die STASI, man denkt an den Film „Das Leben der Anderen“,
man denkt an die Überwachungsskandale rund um die Geheimdienste NSA, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst.

Das Leben der Anderen, das wirkt weit weg, wie aus einer längst vergangenen Zeit. Wir haben den Film nicht neulich im Kino gesehen – uns ist das wirklich passiert! In der Schellingstraße 6!

Wie wir Mitte Juli erfahren haben, versuchte die Polizei kurz zuvor, NachbarInnen zu überreden, eine Kamera auf deren privatem Grundstück anbringen zu dürfen. Im Fokus der Kamera sollte der Eingangsbereich des Wohnprojekts Schellingstraße 6 sein.

Das hätte bedeutet, dass alle 110 BewohnerInnen, die das Haus verlassen oder heimkommen, mit einer Kamera erfasst worden wären – einige der BewohnerInnen wären vielleicht sogar permanent durch die Fenster ihrer Zimmer gefilmt worden. Alle FreundInnen, Familienangehörigen und Gäste wären beim Kommen und Gehen aufgenommen worden. Alle BesucherInnen der zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen sowie des Infoladens und des Umsonstladens, die sich im Untergeschoss befinden. Alle Angestellten der Firmen, die im Wohnprojekt Schellingstraße ihre
Büros haben und die BesucherInnen dieser Büros. Und alle, die als NachbarInnen oder zufällige PassantInnen am Eingang der Schellingstraße 6 vorbeigehen und mit dem Fahrrad vorbeifahren.
Und und und…

Wir freuen uns, dass sich die NachbarInnen auch gedacht haben, dass eine so umfangreiche Überwachung und Erfassung unzähliger Menschen in keinem Verhältnis zu möglichen Überwachungszielen stehen kann.

Zudem ist es eine riesige Unverschämtheit, Menschen dazu zu überreden ihre NachbarInnen auszuspionieren und zu bespitzeln.

Wir haben den Eindruck, dass die Überwachungsleidenschaft staatlicher Stellen mal wieder ausgerechnet an einem Ort geweckt wird, wo sich Menschen in alternativen Wohn- und Lebensformen befinden und sich kritisch mit der Welt beschäftigen!

Leider ist es nicht das erste Mal, dass das Wohnprojekt überwacht und bespitzelt wird: Bereits in den 90er Jahren wurde die Überwachung mittels einer Kamera von einem Nachbargebäude der Schellingstraße aus bekannt. Die Kamera wurde daraufhin von den zuständigen Behörden entfernt.

Gleichgültig, was der unmittelbare Anlass und die Rechtfertigung der jetzigen Überwachung ist, das offensichtliche Ergebnis wäre die unrechtmäßige Erfassung von unzähligen Personen!

Das wollen wir so nicht hinnehmen und hiermit öffentlich machen!

2.8.2016, unterzeichnende Gruppen:
– die BewohnerInnen des Wohnprojekts Schellingstraße 6 mit der
Wohnprojekt Schellingstraße 6 gemeinnützige GmbH (Kontakt über
buero@schellingstrasse.de)
– Förderverein Kulturdenkmal Schellingstraße 6
– die BewohnerInnen des 4-Häuser-Projekts mit der Wohnprojekt
Vier-Häuser GmbH (Kontakt über: buero@vier-haeuser-projekt.de)
– Infoladengruppe (Kontakt über infoladen@schellingstrasse.de)

Siehe auch:

Schwäbisches Tagblatt

Reutlinger Generalanzeiger

Radiointerview : Stadtfest Tübingen 5.-6. Juli 2013

titelbild-4-haeuser-projekt-Kopie-640x250„Im Interview mit der Wüsten Welle stellen vier Bewohner des Vier-Häuser-Projekts das relativ junge Projekt vor. Wie sind die Kontakte zu den anderen Wohnprojekten in Tübingen und wie ist das Verhältnis zur Nachbarschaft? Welche kleineren Projekte laufen innerhalb des Hauses und was unterscheidet sie vielleicht auch von anderen Häusern? Hört selbst! unter : https://lokalmagazin.wueste-welle.de/2013/07/22/das-vier-hauser-projekt-stadtfest-2013/

MHS auf Spiegel Online

Spiegel Online hat kürzlich zweimal über das Mietshäuser Syndikat berichtet:

Artikel 1, schildert am Beispiel des Handwerkerhof Ottensen wie die Idee des Mietshäuser Syndikats dazu beitragen kann auch in Großstädten zu Zeiten explodierender Mietpreise bezahlbare Mieten zu erhalten.

Artikel 2, erzählt von der studentischen Syndiaktsinitiative Hagebutze aus Heidelberg und ihren Versuchen, ein geeignetes Objekt zu finden.

Wohnprojekt Huberstrasse mit Webseite

Direkt um die Ecke ensteht – hoffentlich – das nächste Wohnprojekt: Eine Gruppe aus 30 Wohnungssuchenden, der AIDS-Hilfe, dem Verein zur Förderung einer sozialen Psychiatrie und dem Waldorf-Kindergarten wollen ein Haus in der Huberstraße kaufen! Jetzt hat die Projektinitiative auch eine Webseite

Wohnprojekte suchen UnterstützerInnen

In Heilbronn ist das Wohn- und Politprojekt „Solidarisch Leben Heilbronn“ kurz davor ein Haus zu kaufen  – in der weitgehend schwarzen Stadt im Norden Baden-Württembergs bietet  das „Soziale Zentrum Käthe“ seit knapp zwei Jahren einen selbstverwalteten und unabhängigen Treffpunkt für alle politisch interessierten Menschen. Das Haus soll Platz für Veranstaltungen, Büroräumlichkeiten und gemeinsames Wohnen möglich machen und das Zentrum langfristig verankern. Wir hatten letzte Woche Besuch aus Heilbronn auf unserem Plenum und finden’s unterstützenswert! Auf der nächsten Mietshäuser Syndiakts MV stellt sich das Projekt vor. Da die Heilbronner bis Ende September kaufen müssen und noch Direktkredite brauchen, schaut doch mal ihre Webseite an.

Ebenfalls Unterstützung kann das Hausprojekt Grauenhagen gebrauchen: Im äußersten Nordosten der Bundesrepublik ist es deutlich schwieriger ein Hausprojekt aufzubauen und zu unterhalten als im betulichen Tübingen. Jetzt hat Grauenhagen ebenfalls eine Webseite.

 

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