Presse

neues deutschland – Sozialistische Tageszeitung vom 12.3.2014

Vier Häuser sind vom Markt

[…] Mieten und Immobilienpreise steigen immer weiter. Das ist nicht zuletzt auch eine Folge der Krise, in der der Immobilienmarkt ein zunehmend interessantes Investitionsfeld wird. Nicht nur für alternative Hausprojekte wird es dadurch immer schwieriger, günstigen Wohnraum für ein selbst-organisiertes Leben jenseits der üblichen Marktzwänge zu finden.
Eine interessante Lösung bietet das Freiburger Mietshäuser Syndikat zur Finanzierung alternativer Wohnprojekte. Dabei werden zunächst über Direktkredite Gelder als Eigenkapital für den Kauf gesammelt. Formelle Eigentümerin des Wohnprojekts ist eine GmbH, wobei das Mietshäuser Syndikat und der örtliche Hausverein (bestehend aus den aktuellen Mieter_innen), die beiden Gesellschafter sind und gleiches Stimmrecht haben. […]

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Schwäbisches Tagblatt vom 19.7.2012

Auf ins schmucke Kulturdenkmal

[…] Im Landkreis Tübingen, so errechnete Günther, werden 2017 rund 1150 Mietwohnungen fehlen – der größte Teil davon in der allseits begehrten Unistadt. Tübingen verbuchte allein 2011 einen „Wanderungsgewinn“ (Zuzüge minus Wegzüge) von über 500 Personen. Das beinahe halb so große Rottenburg mit seinen 17 Dörfern kam gerade mal auf ein Plus von 62. Wie ist der Konflikt ums Wohnen zu lösen? Ideen gibt es einige: neue Baugebiete wie Egeria. Gemeinschaftseigentum in Selbstverwaltung wie beim 4-Häuser-Projekt an der Hechinger Straße. Oder das Modell Wennfelder Garten, wo zwei Wohnungsgesellschaften alte Häuser abreißen und den bisherigen Bewohnern bei moderat erhöhten Mieten eine Rückkehrgarantie in den Neubau geben. […]

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Schwäbisches Tagblatt vom 15.2.2012

Viel Ärger über den Verkauf der LBBW-Wohnungen

Die Bewohner von 400 Tübinger Wohnungen bekommen einen neuen Vermieter – und müssen sich wohl auf steigende Mietpreise einstellen. Das jedenfalls befürchtet der hiesige Mieterbund nach dem Verkauf von 21 500 LBBW-Wohnungen an die Augsburger Patrizia für 1,435 Milliarden Euro. […] „Das ist schlecht für den Tübinger Wohnungsmarkt“, sagt der Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal (Grüne): „Bezahlbaren, gemeinschaftlichen Wohnraum schaffen, wie beim Tübinger Vier-Häuser-Projekt, ist der bessere Weg.“ Die SPD-Abgeordnete Rita Haller-Haid ist „enttäuscht und sauer, wie das abgelaufen ist“. Sie verstehe aber nicht, warum das kommunale Konsortium „trotz einiger Hinweise“ nicht mehr geboten habe. Der Unterschied zwischen beiden Bietern soll am Ende bei 30 Millionen Euro gelegen haben.

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Schwäbisches Tagblatt vom 7.2.2012, Übringens von Volker Rekittke

Kein Monopoly-Spiel mit 400 Wohnungen?

„Die Grundstückspreise in Tübingen sind enorm hoch“, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke. Das liegt nicht nur, aber zunehmend auch an auswärtigen Investoren, die Tübingen als lukrativen und sicheren Hafen für ihr Geld entdeckt haben. Mal sind es Münchner Rechtsanwälte und Ärzte in den von der GWG sanierten Höfen an der Stuttgarter Straße, mal ist es die Immobilientochter von „Wagner-Pizza“ auf dem ehemaligen Steinhilber-Areal in der Weststadt. Tübingen wächst, ist jung und als Wohnort attraktiv. […] Ein kleiner Trost bleibt: In Tübingen konnten die hundert Bewohner/innen des Vier-Häuser-Projekts den Miethaien zuletzt 24 LBBW-Wohnungen an der Hechinger Straße vor der Nase wegschnappen. Die Häuser sind nun gemeinschaftliches Eigentum. Eine echte Alternative zum Monopoly-Spiel der öffentlichen Landesbank LBBW. Die verzockte sich schon einmal – und sollte nun von den Eigentümern rasch an die Leine gelegt werden. Auch im Interesse von etlichen Hundert Mietern in Tübingen.

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Schwäbisches Tagblatt vom 5.12.2011

Abseits des Immobilienmarkts – Bundesweite Mitgliederversammlung des Mietshäuser Syndikats

Vier selbstverwaltete Wohnprojekte gehören in Tübingen zum Mietshäuser Syndikat. Dessen Mitglieder aus ganz Deutschland versammelten sich am Samstag im Adolf-Schlatter-Haus. […]

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Schwäbisches Tagblatt vom 2.11.2011, Mittwochsspalte der Gemeinderätin Anette Schmidt (AL-Grüne):

Geld lokal und rentabel anlegen

Die Weltfinanzkrise ist noch nicht überwunden, die Einnahmen der Stadt Tübingen liegen noch weit hinter den guten Jahren zurück, gleichzeitig sind die Ausgaben besonders für Kinderbetreuung enorm gestiegen. Das Ergebnis ist ein städtischer Haushalt, in dem die laufenden Einnahmen nicht ausreichen, um die laufenden Ausgaben zu decken. Für dringende Investitionen kann die Stadt zurzeit nur begrenzt Geld von den Banken leihen. Andererseits sparen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Bürgerinnen und Bürger Tübingens jährlich 150 Millionen €. Dieses Geld soll angelegt werden. Aufgrund der Erfahrungen mit den Finanzmärkten gelten Wertpapiere mit hoher Rendite als suspekt. Die Folge ist, dass immer mehr Menschen ihr Geld in nicht primär renditeorientierte Projekte investieren. So ist es dem „4-Häuser Projekt“ gelungen, innerhalb von drei Monaten Direktkredite über 600 000 € für den Kauf von Häusern zu akquirieren, die Bürger-Energie Tübingen eG konnte eine Photovoltaikanlage im Wert von 500 000 € einweihen, und die Tübinger Bio-Bauernmilch GmbH kann auf Bürgerkredite über 150 000 € zu niedrigen Zinsen bauen. Warum soll diese Bereitschaft, sich auf unkonventionelle Projekte einzulassen, nicht ausgebaut werden? Sicherlich lässt sich auch für Sozial- oder Kulturprojekte oder für die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden Kapital mobilisieren. Wie können die dringend nötigen kommunalen Investitionen gefördert werden? Welche sicheren Anlagemöglichkeiten kann die Kommune für das heimische Kapital bieten? Viele Formen sind vorstellbar, um einerseits dem Wunsch nach einer sinnvollen Verwendung des eigenen Geldes nachzukommen und andererseits die Belastungen des städtischen Haushaltes zu reduzieren: Z.B. eine Bürgergenossenschaft, die städtische Gebäude kauft und saniert und diese an die Stadt zu angemessenen Konditionen vermietet. So können auch Räume für Kulturelles und Soziales geschaffen werden. Eine Projektpalette, die unterschiedliche Interessen anspricht, kann entwickelt werden, so dass jede und jeder der Geld kommunal in Tübingen anlegen möchte, das passende Projekt findet. Viele Fragen sind noch offen. Die AL/Grüne Gemeinderatsfraktion will sich gemeinsam mit Expertinnen und Experten in Diskussionsveranstaltungen und Workshops mit diesem Thema beschäftigen. Sie sind als Ideengeber oder als Geldgeberin herzlich eingeladen.

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Schwäbisches Tagblatt vom  20.9.2011:

Stadt bekam ihr Geld zurück

Wie berichtet, gewährte der Gemeinderat dem Wohnprojekt im Dezember 2010 ein städtisches Darlehen in Höhe von 150.000 Euro, um den Kauf der vier Wohnhäuser in der Hechinger Straße 23, 40 und 46 sowie in der Autenriethstraße 15 von der LBBW Immobilien GmbH zu ermöglichen. Eigentlich wäre der mit zwei Prozent verzinste Kredit erst Ende 2011 fällig geworden.

Wie Kämmerer Berthold Rein am gestrigen Donnerstag im Verwaltungsausschuss bekannt gab, war die Vier-Häuser-GmbH dank weiterer Privatkredite aber bereits im August in der Lage, die 150.000 Euro (plus Zinsen) zurückzubezahlen.

Das hat die Stadtverwaltung in ihrer Auffassung bestätigt, dass es richtig war, das Projekt zu unterstützen: „Das Ziel zur Schaffung von selbstverwaltetem Wohnraum zu sozialverträglichen Mieten wurde damit erreicht.“

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Badische  Zeitung vom 12.09.2011:

800 LBBW-Wohnungen: Freiburg soll sich beteiligen

„In Freiburg sind sich die Parteien weitgehend einig: Die Wohnungen sollen unter öffentlicher Kontrolle bleiben. Dazu gibt es einige Vorschläge. So hat die SPD-Fraktion Ende August angeregt, ein „Freiburger Konsortium“ mit der Stadtbau und Wohnungsgenossenschaften wie dem Bauverein Breisgau zu bilden oder auch das Mietshäusersyndikat einzuschalten. Dieses hatte etwa in Tübingen im Herbst 2010 zusammen mit Bewohnern vier LBBW-Häuser erworben und bei Bürgern Direktkredite eingesammelt; auch der Tübinger Gemeinderat gab 150.000 Euro Kredit dazu. „Wir brauchen günstige Wohnungen, deshalb muss sich auch Freiburg um unkonventionelle Lösungen bemühen“, so SPD-Stadtrat Walter Krögner.“

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Schwäbisches Tagblatt vom  10.3.2011:

Hoffen auf ein Ende ohne Heuschrecken

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Schwäbisches Tagblatt vom 24.2.2011:

Vier-Häuser-Projekt hat Kaufvertrag unterschrieben

Nun ist es amtlich: Die vier Häuser in der Hechingerstraße 23, 40 und 46 sowie der Autenriethstraße 15 wechseln ihren Besitzer. Neuer Eigentümer ist das Vier-Häuser-Projekt, ein Zusammenschluss von ca. 80 Personen, davon über 30 Kinder, die in Tübingens Südstadt selbstverwaltet wohnen und dauerhaft sozial verträglichen Wohnraum schaffen werden.

Tübingen – Am 23.2.2011 um 14.00 Uhr war es endlich soweit: VertreterInnen des Vier-Häuser-Projekts, des Landes Baden-Württemberg und der LBBW Immobilien GmbH trafen sich in Anwesenheit zweier Notare in der Hechingerstraße 23, um die lang ersehnten Kaufverträge zu unterzeichnen. Nachdem der Kauf bereits für Ende Dezember 2010 vorgesehen war, verzögerte sich das komplette Vorhaben nun um beinahe zwei Monate. „Die Gründe hierfür waren vielfältig“ meint Joachim Hauser vom Vier-Häuser-Projekt, „letztendlich war die Verzögerung wohl dem Umstand geschuldet, dass wir es am Ende des Tages mit zwei Verhandlungspartnern zu tun hatten: Der Besitzerin der Häuser, der LBBW Immobilien GmbH, und dem Besitzer der Grundstücke, dem Land Baden-Württemberg“. Mit beiden seien die Verhandlungen stets positiv verlaufen, so Hauser, aber man wisse natürlich nie genau, was sich hinter den Kulissen solch großer Institutionen abspiele.

Ein wichtiges politisches Signal erhielt das Projekt im Dezember von der Stadt Tübingen. Sie unterstützt das Projekt mit einem Direktkredit in Höhe von 150.000 Euro – befristet auf ein Jahr – und lobt das Projekt als „Stadtentwicklung von unten“.

Die letzten Monate wurden indessen genutzt, um sich in verschieden Arbeitskreisen zu organisieren und konkrete Pläne für die unmittelbare Zeit nach Vertragsabschluss zu schmieden. „Wir stehen ja schon seit Wochen in den Startlöchern“ sagt Tanja Tjhen vom Arbeitskreis, der die Sanierung der Häuser koordiniert. Zwar seien die Häuser insgesamt in einem sehr guten Zustand, als besondere Herausforderung hätten sich jedoch die mit PAKs belasteten Parkettböden herausgestellt. PAKs, die Kurzform für Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, sind, wenn sie mit dem Hausstaub eingeatmet werden, stark krebserregend. Um dieses Problem ein für allemal zu beseitigen, müssen die Böden samt darunterliegendem Estrich von Spezialfirmen entfernt und als Sondermüll entsorgt werden. „Der Einzug ist für den 01.06.2011 geplant“, so Tjhen, „und wir werden bis dahin alle Hände voll zu tun haben, vier Baustellen gleichzeitig zu koordinieren!“ Zumal die zukünftigen BewohnerInnen, wo möglich, selbst Hand anlegen wollen. „Im Prinzip kann es morgen losgehen“, meint Tjhen und stellt sich innerlich wohl schon auf drei arbeitsreiche Monate ein.

Neben der Sanierung sind der offizielle Beitritt in das Mietshäuser Syndikat[1] (mit 51 weiteren selbstverwalteten Wohnprojekten in Deutschland) und das kontinuierliche Einwerben von Direktkrediten weitere wichtige Aufgaben für die nahe Zukunft. Ein großer Teil der eingeworbenen Direktkredite ist zeitlich befristet, um die Häuser langfristig energetisch sanieren zu können werden außerdem zusätzliche Kosten anfallen.

Doch zunächst durften erst einmal die Sektkorken knallen. Und neben den zahlreichen Projektmitgliedern ließen es sich auch die offiziellen Vertreter von Land und LBBW nicht nehmen, mit den neuen Besitzern auf ein weiteres soziales Wohnprojekt in der Tübinger Südstadt anzustoßen.

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Schwäbisches Tagblatt vom 15.12.2010:

Übrigens…

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Schwäbisches Tagblatt vom 07.12.2010:

Geld für günstige Mieten

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Lokalmagazin der Wüsten Welle vom 15.11.2010:
Interview mit Judith und Jan vom 4-Häuser-Projekt
https://lokalmagazin.wueste-welle.de

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Schwäbisches Tagblatt vom 13.11.2010:
Wohnprojekt sucht Geldgeber

Die Bewohner der vier LBBW-eigenen Mietshäuser in der Hechingerstraße 23, 40, 46 sowie in der Autenriethstraße 15 haben sich im „Vier-Häuser-Projekt“ zusammengeschlossen, um die Immobilien zu kaufen und dann „dauerhaft sozialen und familienfreundlichen Wohnraum“ zu schaffen.

Inzwischen engagieren sich 80 Leute (Studenten, Alleinerziehende, junge Familien, Rentner) für das genossenschaftliche Vorhaben, das wie schon andere Wohnprojekte in Tübingen auch über Direktkredite finanziert werden soll. In den letzten Wochen haben sich bereits 55 Kapitalgeber gemeldet, die den Kauf mit Krediten in Höhe von 180 000 Euro unterstützen wollen. Aufgrund dieser Zusagen ist die Projekt-Gruppe zuversichtlich, dass sie den Kaufvertrag noch in diesem Jahr unter Dach und Fach kriegen. Allerdings würden die Beteiligten ihr Eigenkapital über zusätzliche Direktkredite gern noch weiter aufstocken.

Wie das funktioniert und zu welchen Konditionen die Kreditgeber miteinsteigen können, darüber wird das „Vier-Häuser-Projekt“ am Montag, 15. November, in der Begegnungsstätte „Hirsch“ (Hirschgasse 9) berichten. Die Informationsver-anstaltung zum Thema „Direktkredite als soziale Geldanlage“ beginnt um 19 Uhr.

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tueinfo vom 24.10.2010:

Tueinfo-Interview: Das 4-Häuser-Projekt
https://www.jpberlin.de/tueinfo/cms/node/19341

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„plus-minus“ der ARD am 31.08.2010:

Filmbeitrag über das Mietshäuser Syndikat

Einen sehenswerten und informativen Filmbeitrag über das Mietshäuser Syndikat Freiburg hat die Sendung „plus-minus“ der ARD am 31.08.2010 gesendet.

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Schwäbisches Tagblatt vom 15.07.2010:

Mit Privatkrediten
. Hausverein will neues Wohnprojekt aufbauen
Der Tübinger Verein „4-Häuser-Projekt“ berichtet von seiner Gründungsversammlung: Tübingen. Vergangene Woche fand in der Autenriethstraße die Gründung des Vereins „4-Häuser-Projekt“ statt. Er hat das Ziel, vier Häuser in der Hechinger- und Autenriethstraße zu kaufen, um darin ein weiteres Wohnprojekt unter dem Dach des Mietshäuser Syndikats in Tübingen aufzubauen. Die Häuser befinden sich im Besitz der Landesbank Baden-Württemberg. Bisher lehnt die LBBW den Verkauf an unsere Projektinitiative ab und strebt offensichtlich die Veräußerung ihres gesamten Wohnungsbestandes an einen Großinvestor an.
Das 4-Häuser-Projekt ist dennoch weiterhin bestrebt, die Häuser zu erwerben. Grundidee der selbstverwalteten Projekte im Mietshäuser Syndikat ist es, Wohn- und Nutzraum der ökonomischen Verwertung zu entziehen und nachhaltigen und sozialverträglichen Lebensraum zu schaffen. Entgegen der üblichen Vorstellung entsteht beim Kauf dieser Häuser kein Privateigentum. Eigentümer wird eine GmbH mit zwei Gesellschaftern: dem gerade gegründeten Hausverein sowie dem Mietshäuser-Syndikat.
Um die Mieten dauerhaft sozialverträglich gestalten zu können, ist das Projekt nur bei sehr niedrigen Kreditzinsen finanzierbar. Direktkredite bieten dem Hausverein die Möglichkeit einer zinsgünstigen Grundfinanzierung. Dabei handelt es um Geldbeträge, die dem Projekt von Privatpersonen direkt – ohne Umweg über die Bank – geliehen werden. Sie bieten Menschen, die das Projekt unterstützen wollen, die Möglichkeit einer sinnvollen, sozialen und ökologischen Geldanlage.
Wer sich für das Gemeinschaftsprojekt interessiert, kann sich per Mail an vierhaeuserprojekt@googlegroups.com wenden.

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Schwäbisches Tagblatt vom 12.06.2010:

Vier Häuser werben
Tübingen. Am heutigen Samstag um 14 Uhr lädt das Vier-Häuser-Projekt zum Tag der Offenen Türen in die Hechingerstraße 23, 40 und 46 sowie in die Autenriethstraße 15. Für den Erwerb dieser Wohnhäuser hat sich eine Initiative gegründet, deren Mitglieder die Gebäude kaufen, sanieren und bewohnen wollen. Ausgangspunkt dafür war eine Kündigungswelle der Mietverträge durch den derzeitigen Pächter, das Tübinger Uniklinikum. Daraufhin hatten sich viele Bewohner über die regionale Koordination des Mietshäusersyndikats mit anderen Wohnungssuchenden zusammengetan.

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Schwäbisches Tagblatt vom 10.04.2010:

Noch ein Vorstoss für ein selbstverwaltetes Wohnprojekt – Mieterinnitiative will vier Häuser der LBBW übernehmen

In der Tübinger Südstadt formiert sich ein neues Projekt zum Aufbau selbstverwalteter Wohnformen. Ziel ist es, vier Häuser aus dem Immobilienbestand der LBBW mit Hilfe des „Mietshäuser Syndikats“ in eigene Regie zu übernehmen.

Tübingen. Bei den vier Wohngebäuden handelt es sich um die zwar durchaus ansehnlichen, aber dringend modernisierungsbedürftigen Häuser Hechinger Straße 23, 40 und 46 sowie um die Autenriethstraße 15. Seit dem Abzug der französischen Garnison gehören sie – wie 415 weitere Wohnungen in Tübingen – der LBBW Immobilien GmbH (respektive ihrer Vorgängerin, der Landesentwicklungsgesellschaft). Die Grundstücke befinden sich im Eigentum des Landes Baden-Württemberg.

Weil das Uni-Klinikum (UKT) Anfang der 90er Jahre händeringend nach Schwestern und Pflegern suchte, mietete es die vier Häuser mit insgesamt etwa 100 Zimmern in 16 Wohnungen an, um dort eigenes Personal zu günstigen Preisen einzuquartieren. Wie kürzlich berichtet, hat das dem Landesrechnungshof in letzter Zeit gar nicht mehr gefallen. Er fand diese Lösung bei einem jährlichen Subventionsbedarf von über 200 000 Euro höchst unwirtschaftlich und verlangte vom Klinikum diese Unterkünfte aufzugeben. Also entschloss man sich auf dem Schnarrenberg, die einstigen Franzosenhäuser zum 31. Dezember 2010 an die Immobilientochter der LBBW zurückzugeben. Die meisten Zimmer stehen bereits leer, die restlichen 30 Bewohner sollen bis Ende Oktober in andere Personalhäuser des Klinikums umziehen.

Gemeinsam mit dem Mietshäuser Syndikat

Es wollen aber beileibe nicht alle UKT-Untermieter das Feld räumen. Vor vier Wochen hat sich eine Projektgruppe mit dem programmatischen Namen „Vier Häuser behalten“ gebildet. Ihr gehören mittlerweile etwa 20 Angestellte des Klinikums an, die bereits dort wohnen, und weitere 50 Interessenten, die gerne in die ehemaligen Wohnungen der französischen Offiziere einziehen würden, darunter zahlreiche junge Familien. Erklärtes Ziel der Projektgruppe ist es laut Dirk Jakobi, einem ihrer Aktivisten, „die vier Häuser von der LBBW Immobilien GmbH käuflich zu erwerben, um dort selbstverwaltete Wohnformen umzusetzen“.

Als Vorbild dienen der Initiative dabei die selbstverwalteten Wohnprojekte in der Schelling-, Hegel- und Ludwigstraße. Wie dort wollen die aktuellen und künftigen Bewohner der vier Häuser in der Hechinger und der Autenriethstraße gemeinsam mit dem Mietshäuser Syndikat eine GmbH gründen, die den Kauf und dessen Finanzierung übernimmt. Als Eigenkapital dienen dabei verzinsliche Privatkredite, die von den Beteiligten bei Freunden und Bekannten eingeworben werden. Den Rest will man über Bankkredite zu marktüblichen Konditionen abdecken. Langfristig refinanziert werden soll das Ganze über eine sozial verträgliche Monatsmiete von sechs bis acht Euro pro Quadratmeter – was bei den ersten drei Wohnprojekten dieser Art in Tübingen allem Anschein nach ganz gut klappt.

Der große Vorteil dieses Modells für Dirk Jakobi: „Zum einen werden damit die Häuser dem freien Immobilienmarkt und der Spekulation entzogen. Und zum anderen bleibt, da wir uns keine Luxussanierung leisten können, die soziale Durchmischung im Quartier erhalten.“

Die Politik steht in der Verantwortung

Um dies zu verdeutlichen, verweist Jakobi gern auf die ehemalige Thiepval-Kaserne, wo man beide Alternativen nebeneinander besichtigen könne: „Auf der einen Seite haben wir einen Investor, der nach einer mehr oder minder erfolgreichen Sanierung ein entsprechend hohes Verkaufs- und im Anschluss Mietniveau etabliert hat. Auf der anderen Seite das Wohnprojekt Schellingstraße, das in enger Kooperation mit Stadt und Denkmalamt eine substanzerhaltende, technische und energetische Sanierung durchgeführt hat. Trotzdem konnte hier ein Mietpreis von unter sechs Euro pro Quadratmeter gehalten werden.“

Um Ähnliches auch in der Hechinger Straße zu schaffen, haben regionale Vertreter des Mietshäuser Syndikats bereits im August 2009 bei der LBBW angefragt, ob die vier Häuser zu kaufen sind. Darauf gab es damals ein klares Nein. Im März 2010 haben Vertreter der LBBW die Häuser besichtigt und angedeutet, dass sie saniert und danach wieder vermietet werden sollen. Zuletzt aber hieß es in der Stuttgarter LBBW-Zentrale, wo das TAGBLATT am 30. März nachfragte, dass sämtliche 24 000 LBBW-Wohnungen im Land nun wohl doch „en bloc“ an einen Großinvestor verkauft werden.

Dirk Jakobi und seine Mitstreiter lassen sich dadurch nicht entmutigen – und hoffen auf umso stärkeren politischen Beistand: „Wir sehen vor allem die Landespolitik in der Verantwortung, dieses Vorhaben zu unterstützen – oder andere Modelle vorzuschlagen, wie die meistbietende Veräußerung und Luxussanierung der LBBW-Wohnungen verhindert werden können.“ Und auch die Stadt müsse ein „Interesse daran haben, preisgünstigen Wohnraum und damit eine ausgewogene Sozialstruktur in der Südstadt zu erhalten“. Die Projektgruppe stehe dafür bereit: „Vier Häuser – jetzt!“